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"Das singende Herz der Arbeiterklasse"

Ernst Busch als sozialistische Ikone



Ernst Busch bei Radio Moskau, 1936 (Archiv Karl Siebig)
Ernst Busch gehört zu den legendären Figuren der deutschen Linken im 20. Jahrhundert: Bereits in den 1930er Jahren rühmten Literaten seinen Gesang und sein Schauspiel, Fans und Kritiker dachten sich Ehrentitel für ihn aus: „Barrikaden-Tauber“ etwa oder „Roter Orpheus“. Maler und Bildhauer
in der DDR verewigten Busch als proletarische Ikone auf Ölgemälden, in Bronze und in Gips.  Schüler aus der Sowjetunion überhäuften ihn mit Briefen und verfassten Gedichte auf den "weltberühmten Sänger und heldenhaften Spanienkämpfer" (s.u.). In der Bundesrepublik der 1970er Jahre würdigten Studenten den Künstler als Ahnherr des politischen Songs und berauschten sich an der „Stimme aus Metall“. In beiden Teilen Deutschlands erschienen Bücher und Filme über das Leben des Künstlers, der Hanns Eisler und zahlreichen anderen Linken als „das singende Herz der Arbeiterklasse“ galt.

Ernst Busch (links) in "Kameradschaft", 1931
Ernst Busch war ein bedeutender, weil in verschiedenen politischen Systemen wirksamer Produzent linker Wir-Gefühle in Deutschland. Das wird deutlich, wenn man einerseits Leben und Werk des kommunistischen Künstlers betrachtet, andrerseits die sich verändernden Auditorien des Sängers und Schauspielers, die in Deutschland drei Generationen der politischen Linken im 20. Jahrhundert repräsentieren, in den Blick nimmt. Erst diese Kombination aus biografischer und kollektivbiografischer Perspektive ermöglicht es, ein facettenreiches Bild der linken Kultfigur Ernst Busch zu zeichnen, die staatstragendes Symbol und Projektionsfläche für rebellische Hoffnungen und politische Utopien zugleich war. Folgende fünf Thesen stehen dabei im Mittelpunkt:



Ernst Busch-Posterbeilage der Doppel-LP "Roter Oktober", 1989
1) Busch machte Ideologie sinnlich erfahrbar. Im Zusammenspiel mit linken Autoren verbreitete er Lieder und Texte, die wie bei kaum einem anderen Bühnenkünstler zwischen Kunst und Propaganda oszillierten.

2) Durch seine Interpretation fanden Propaganda-Slogans Eingang ins kollektive Gedächtnis: „Vorwärts und nicht vergessen“, „Den Faschisten werden wir nicht weichen“, „Die Partei hat immer Recht“, „Ami go home!“.

3) Linke Identitätsstiftung betrieb er nicht nur als Interpret, sondern auch als Sammler politischer Songs und ab 1946 als Herausgeber linker Literatur sowie als Begründer der DDR-Schallplattenproduktion.


Ernst Busch à la Warhol (Buch-Cover, 2003)
4) Die Generationen übergreifende Faszination, die von seiner Kunst ausging, lässt sich als Pop-ähnliches Phänomen beschreiben. Für viele Menschen war er Vorbild und Idol.

5) Lebensgeschichte, Erscheinungsbild und Stimme prädestinierten Busch zur linken Kultfigur. In der DDR galt er als Held des antifaschistischen Widerstands, als Personifizierung des Spanienkämpfer-Mythos und der deutsch-sowjetischen Freundschaft. In der SU lernten Schüler mit Hilfe seiner Lieder die deutsche Sprache. Dass er Schulstoff war, als Staatskünstler und heldische Gestalt instrumentalisiert und musealisiert wurde und gleichzeitig seinen Fans als höchst glaubwürdiger und vitaler Ansporn in allen möglichen Lebenslagen diente, macht die Ambivalenz der Busch-Legende aus.


Das Interesse an Ernst Busch und seiner Kunst, ebenso die Heroisierung seines Lebens und Schaffens, sind in vielerlei Dokumenten nachzuweisen. Einige davon sind auf erinnerungsort.de einzusehen. Sie ergänzen nebenbei das Busch-Buch, das im März 2010 im Aufbau-Verlag erschienen ist.














Letztes Update 31.05.2010 | CopyrightŠ Jochen Voit 2005 | Seite drucken | Seite einem Freund senden

"Das singende Herz der Arbeiterklasse"
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