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Ballade von der Hanna Cash, Die

Text: Bertolt Brecht; Musik: Ernst Busch





DIE BALLADE VON DER HANNA CASH

Mit dem Rock von Kattun und dem gelben Tuch
Und den Augen der schwarzen Seen
Ohne Geld und Talent und doch mit genug
Vom Schwarzhaar, das sie offen trug
Bis zu den schwärzeren Zeh'n:
Das war die Hanna Cash, mein Kind
Die die „Gentlemen“ eingeseift
Die kam mit dem Wind und ging mit dem Wind
Der in die Savannen läuft.

Die hatte keine Schuhe und die hatte auch kein Hemd
Und die kannte auch keine Choräle!
Und sie war wie eine Katze in die große Stadt geschwemmt
Eine kleine graue Katze, zwischen Hölzer eingeklemmt
Zwischen Leichen in die schwarzen Kanäle.
Sie wusch die Gläser vom Absinth
Doch nie sich selber rein
Und doch muß die Hanna Cash, mein Kind
Auch rein gewesen sein.

Und sie kam eines Nachts in die Seemannsbar
Mit den Augen der schwarzen Seen
Und traf Jacki Kent mit dem Maulwurfshaar
Den Messerjack aus der Seemannsbar
Und der ließ sie mit sich gehen!
Und wenn der wüste Kent den Grind
Sich kratzte und blinzelte
Dann spürt die Hanna Cash, mein Kind
Den Blick bis in die Zeh.

Sie „kamen sich näher“ zwischen Wild und Fisch
Und „gingen vereint durchs Leben“
Sie hatten kein Bett und hatten keinen Tisch
Und sie hatten selber nicht Wild noch Fisch
Und keinen Namen für die Kinder.
Doch ob Schneewind pfeift, ob Regen rinnt
Ersöff auch die Savann
Es bleibt die Hanna Cash, mein Kind
Bei ihrem lieben Mann.

Der Sheriff sagt, daß er`n Schurke sei
Und die Milchfrau sagt: Er geht krumm.
Sie aber sagt: Was ist dabei?
Er ist mein Mann. Und sie war so frei
Und blieb bei ihm. Darum.
Und wenn er hinkt und wenn er spinnt
Und wenn er ihr Schläge gibt:
Es fragt die Hanna Cash, mein Kind
Doch nur: ob sie ihn liebt.

Kein Dach war da, wo die Wiege war
Und die Schläge schlugen die Eltern.
Die gingen zusammen Jahr für Jahr
Aus der Alphaltstadt in die Wälder gar
Und in die Savann aus den Wäldern.
Solang man geht in Schnee und Wind
Bis daß man nicht mehr kann
Solang ging die Hanna Cash, mein Kind
Nun mal mit ihrem Mann.

Kein Kleid war arm, wie das ihre war
Und es gab keinen Sonntag für sie
Keinen Ausflug zu dritt in die Kirschtortenbar
Und keinen Weizenfladen im Kaar
Und keine Mundharmonie.
Und war jeder Tag, wie alle sind
Und gab's kein Sonnenlicht:
Es hatte die Hanna Cash, mein Kind
Die Sonne stets im Gesicht.

Er stahl wohl die Fische, und Salz stahl sie
So war 's. „Das Leben ist schwer.“
Und wenn sie die Fische kochte, sieh:
Dann sagten die Kinder auf seinem Knie
Den Katechismus her:
Durch fünfzig Jahr in Nacht und Wind
Sie schliefen in einem Bett.
Das war die Hanna Cash, mein Kind
Gott mach`s ihr einmal wett.




Text: Bertolt Brecht
Musik: Ernst Busch




Zitiert nach Ernst Busch: bertolt brecht - Legenden, Lieder Balladen 1925-1934. Aurora 5 80 027/28. Hrsg. 1967; Nachaufl. 1972 und 1974.







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