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Hakenrune, Die
Text: Erich Weinert (Rezitation: Ernst Busch)
DIE HAKENRUNE (1946)
Kaum war das tausendjährige Reich kaputt, Da krochen sie behend, die Hakenrune Rasch aus dem Knopfloch polkend, aus dem Schutt Und machten, etwas vorschnell, auf Kommune.
Mit vollen Hosen standen sie parat, Mit jeder Sorte Plebs sich zu verbrüdern, Und drängelten sich vor, dem neuen Staat Sich anzubieten oder anzubiedern.
Auf einmal gabs in Deutschland nichts als Opfer, Bereit zum Eintritt in die Heilsarmee, Und schon erschienen auch die Schulterklopfer Und tremolierten ihr absolvo te!
Wer konnte wohl auf soviel Nachsicht hoffen! Sie stiegen wieder ins Geschäft mit ein, Denn alle Hintertüren standen offen, Und jeder hatte den Entlausungsschein.
Sieg-Heil! Der erste Schock ist überwunden. Die Amnestie begießt man auf Banketts. Und man entschädigt sich für Schrecksekunden Und sucht und findet Löcher im Gesetz.
Schon gehn die meisten wieder durch die Maschen. Wie lange noch? Dann steht der Schießverein. Denn statt das Land von Nazis reinzuwaschen, Wäscht man die ganzen Nazis wieder rein.
Das darf sich heut schon wieder frech vermessen Und sein Bedauern fassen ins Gebet, Daß viel zu wenig im KZ gesessen Und daß es nicht noch mal nach Moskau geht.
Das darf heut immer noch Soldaten spielen, Wohin kein unberufenes Auge guckt, Und lernt auf unbequeme Köpfe zielen, Bereit zum Einsatz, wenn die Straße muckt.
Das läßt schon wieder Meuchelmörder frei, Nach denen sie jahrzehntelang gefahndet, Als ob inzwischen nichts geschehen sei. Doch Fahnenflucht wird immer noch geahndet.
Das macht, im Schatten der Vergeßlichkeit, In seiner Klaue noch den Stil von gestern, Schon wieder sich in Leitartikeln breit, Und darf, was heut sich redlich müht, verlästern.
Das darf sich wieder vor Kathedern flegeln Und wird nicht gleich mit Prügeln relegiert. Das spielt sich wieder auf nach Standesregeln, Statt Schutt zu karren, wie es ihm gebührt.
Ja, haben dafür unsere kühnsten Herzen Gekämpft, gelitten und ihr Blut verströmt, Daß die, die wir geschworen, auszumerzen, Heut nicht einmal mehr öffentlich verfemt?
Genauso hat es damals angefangen! Und wo es aufhört, ist euch bekannt. Verschlaft ihr noch einmal, die zu belangen, Dann reicht bestimmt kein Volk uns mehr die Hand.
Text: Erich Weinert
Zitiert nach Ernst Busch: Rote Lieder - Rote Gedichte. Erich Weinert. Aurora 5 80 029/30. Hrs. 1967, Nachaufl. 1972.
Letztes Update 26.06.2007 | Copyright© Jochen Voit 2005 |  | 
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