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Seminar / Lesungen / Vorträge & Interviews 2010-2011...




Blockseminar bei den Kulturwissenschaftlern (Lehrstuhl Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im SoSe 2011 (aus Termingründen auf unbestimmte Zeit verschoben)


Pop und Propaganda im Lied des 20. Jahrhunderts
Dr. Jochen Voit



Populäre Musik, idealerweise in Gemeinschaft erlebt, scheint wie kaum eine andere Kunst- und Kommunikationsform geeignet, Gefühle anzusprechen, Befindlichkeiten auszudrücken und Zugehörigkeiten zu festigen. Wohl jeder kennt die Erfahrung, dass durch das Hören bestimmter Songs bestimmte Erinnerungen hervorgerufen werden („Darling, they’re playing our tune!
). Dieser scheinbar banale Zusammenhang ist kulturgeschichtlich bedeutsam, wenn ein und derselbe Song bei vielen Menschen ähnliche oder nahezu identische Assoziationen hervorruft.

Im Seminar interessiert uns Musikrezeption als eine Form kollektiver Selbstvergewisserung - ein soziales und kulturelles Phänomen, das im
Zeitalter der Extreme” (Hobsbawm) eine große Rolle spielte. Zahlreiche Lieder haben als Mittel politischer Identitätsfindung fungiert und sich ins Generationengedächtnis des 20. Jahrhunderts eingeprägt. Manche Songs lassen sich rückblickend als regelrechte Generationenmarker begreifen, weil sie für Gruppenzugehörigkeiten stehen und sich aus ihnen Schlussfolgerungen über die Psychologie politischer Gemeinschaften ableiten lassen.

Im Seminar werden weltanschaulich konnotierte Schlager, Hymnen und Kultsongs vorgestellt und analysiert. Es geht um die Produktionsbedingungen der Lieder, aber v.a. um Aneignungspraktiken und Zuschreibungen der Rezipienten bzw. Fans. Dabei wird insbesondere die verbreitete Annahme, wonach sich Ideologie und Entertainment weitgehend ausschließen, einer kritischen Prüfung unterzogen. Der Pop&Propaganda-Sampler startet mit Klängen aus der frühen Tonfilm-Ära (um 1930) und reicht bis zum Beginn des digitalen Zeitalters.



Literaturempfehlungen:

Hans-Otto Hügel: Lob des Mainstreams. Zu Begriff und Geschichte von Unterhaltung und populärer Kultur. Köln 2007 (Einführung, S. 58-94).
Barbara Stambolis / Jürgen Reulecke (Hrsg.): Good-Bye Memories? Lieder im Generationengedächtnis des 20. Jahrhunderts. Essen 2007 (Einleitung, S. 11-23).





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Buschbuch


Lesungen und Vorträge 2010/11


Cottbus, 25. November 2010 (Lesung auf Gut Geisendorf)

Berlin, 2. Februar 2011 (Lesung im Brecht-Haus)

Berlin, 25. Mai 2011 (Lesung im Café Sybille)





Bereits stattgefunden haben Veranstaltungen in:
Berlin (14. März mit Mara Widmann im bat),
Leipzig (18. März mit Katharina Thalbach im Zeitgeschichtlichen Forum), Erfurt (29. März mit Katharina Thalbach
im Stadttheater), Berlin (8. April im Besucherzentrum des DDR-Museums), Leipzig (5. Juni mit Katharina Thalbach im Haus des Buches), Hermsdorf (7. Juni in der Stadtbibliothek), Berlin (8. Juni mit Sophia Siebert im Kino Krokodil), Magdeburg (10. Juni im Literaturhaus), Krefeld (5. Oktober in der Villa Merländer), Berlin (Vortrag am 6. Oktober im bat), Dortmund (7. Oktober in der Steinwache), Kiel (8. November im Foyer des Opernhauses) ...





Jochen Voit im Radio:
"Seite EINS" auf Radio EINS (RBB) am 20.6.2010; Interview: Knut Elstermann


Zum 30. Todestag von Ernst Busch am 8.6.2010, nachzuhören auf Deutschlandradio Kultur; Interview: Liane von Billerbeck


"Figaro trifft..." vom 2.6.2010, nachzuhören auf MDR-Figaro; Interview: Thomas Bille


"Literaturzeit" vom 2.5.2010 auf Radio Bremen; Interview: Dorothee Schmitz-Köster




Jochen Voit im Fernsehen:
ARD-TV-Forum auf der Leipziger Buchmesse am 18.3.2010 (Redaktion: TTT)

Magdeburger Lokalfernsehen kulturMD am 15.6.2010; Interview: Salka Schallenberg



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Ernst Busch 1960 live in Berlin
Sein Comeback-Konzert nach Jahren des Schweigens

Zum 50-jährigen Jubiläum erstmals auf Tonträger (EDEL: KULTUR, VÖ: März 2010)

Gesang: Ernst Busch
Piano: Hanns Eisler, Grigori Schneerson
Texte: u.a. Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Johannes R. Becher
Musik: u.a. Hanns Eisler, Paul Dessau
Zwischenrufe: u.a. Helene Weigel


Auszüge aus den Liner Notes ----------------------------------------------------------------------------

Ost-Berlin, 22. Januar 1960: Der Plenarsaal der Akademie der Künste der DDR ist mit knapp 300 Personen hoffnungslos überfüllt. Ein erlauchter Hörerkreis begrüßt den Star des Abends mit stehenden Ovationen. Vor der Türe Jugendliche, die unbedingt noch hinein wollen. Sie möchten miterleben, wie Nationalpreisträger Ernst Busch seinen 60. Geburtstag zelebriert, möchten hören, was dran ist am legendären Ruf des Sängers, der fast ein Jahrzehnt geschwiegen hat... Busch singt wieder. Ein denkwürdiges Ereignis. Und eine bemerkenswerte Tonaufnahme. Auch weil es sonst keine Live-Mitschnitte von Busch-Konzerten gibt. Da scheint ein alter Kabarettgaul auf der Bühne zu stehen, der es noch mal wissen will. Busch ist gut bei Stimme und gut gelaunt. Und trabt durch das für seine Verhältnisse ausgesprochen heitere Programm mit einer Lockerheit, die den oft sterilen Studioaufnahmen des späten Busch völlig abgeht...
Einige der Anwesenden werden sich noch Jahrzehnte später an subversive Momente dieses Abends erinnern. Zum Beispiel an das ”Seifenlied”, ein Spottlied auf die SPD aus der Weimarer Republik, das plötzlich wie ein Statement zu den politischen Verhältnissen in der DDR klingt: „Wir schlagen Schaum, / wir seifen ein, / wir waschen unsre Hände wieder rein ..." Was ist das für ein Text? „Kälteschock. Die erste Reihe sieht aus wie eine Reihe Eiszapfen. Eisler und Busch tauen immer mehr auf. Busch breitet auffordernd die Arme aus: ’Mitsingen!’ – ’Wir schlagen Schaum, / wir seifen ein, / wir waschen unsre Hände wieder rein ...’ Was sollen sie tun? Die Zapfen singen. Sie singen und versuchen, harmlos auszusehen. Busch, der Spanienkämpfer, ihr alter Genosse, er hat sie alle in der Hand, ein Lied lang. Ist das sein Kommentar zum Verhältnis von Politik und Kunst, zum Formalismusstreit in der DDR – sein Kommentar zum Weg der noch jungen DDR überhaupt?“*



*Annekathrin Bürger / Kerstin Decker: Der Rest, der bleibt. Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben. München 2007, S. 120/121.



Erhältlich ist die CD u.a. im Buchladen der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin.



Kulturveranstalter, die sich für Buschbuch-Lesungen (mit Film- und Musikbeispielen) interessieren, können sich gerne an den Aufbau-Verlag oder direkt an den Autor wenden.












Letztes Update 15.04.2011 | CopyrightŠ Jochen Voit 2005 | Seite drucken | Seite einem Freund senden

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